Der Individualpsychologische Beratungsansatz des ICL Institut für christliche Lebens- und Eheberatung

 

Meiner Beratung liegt die Individualpsychologie Alfred Adlers (1870-1937) zu Grunde. Er ist der Begründer der
Individualpsychologie, einer Form der Tiefenpsychologie.

Adlers Individualpsychologie  ist eine ermutigende, gemeinschaftsfördernde und sinngebende Theorie,
die den Menschen in eine gesunde Selbstverantwortung führt.

Adler geht von drei Grundprinzipien aus:
1. Die Einheit der Persönlichkeit nach Leib, Seele und Geist (individere = unteilbar)
2. Alles menschliche Verhalten ist zielgerichtet
3. Der Mensch ist vor allem ein Gemeinschaftswesen.

Sicherheit und Bedeutung
Die zwei Grundbedürfnisse aller Menschen sind Sicherheit (Annahme, Zugehörigkeit, Platz) und Bedeutung (wichtig sein, Einfluss nehmen, wertvoll sein). Aus dem Maß der Erfüllung dieser Grundbedürfnisse leitet der Mensch die Deutung seines Selbstwertes und seiner Sicherheit ab.

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Minderwertigkeitsgefühl und Kompensation.
Allein durch seine Geburt hat jeder Mensch seinen Platz und seinen Wert. Wer seinen eigenen Wert in Frage stellt, sieht sich minderwertig und andere ihm überlegen. Das gefühlte Defizit will er kompensieren z.B. durch Geltungsstreben oder durch verstärkte Sicherungsmaßnahmen, was zwangsläufig zu Überkompensationen führt und die Beziehungen beeinträchtigt.


Persönliche Deutung
Die Art und Weise zu leben entsteht in den ersten Jahren. Die Geschwisterkonstellation, die Elternbeziehung, das Motto, der Erziehungsstil, die Atmosphäre und die Werte beeinflussen das heranwachsende Kind. Es bezieht alle diese Faktoren in seine Deutung mit ein und entwickelt so seinen unverkennbaren Lebensstil. In grossen Teilen folgt es dieser Lebensmelodie bis ins hohe Alter.

In der Beratung können diese oft unbewussten
​Muster entdeckt und bearbeitet werden.


Finalität
Adler spricht von Finalität.  Er ist überzeugt, dass jeder Mensch zielgerichtet unterwegs ist. Er denkt dabei an bewusste und an unbewusste Ziele. 

Kann es sein, dass Sie immer für andere dasein wollen und damit ihren hohen Selbstwert erhalten? Wollen Sie immer das Beste für andere und haben damit Kontrolle über Ihre Mitmenschen? Fühlen Sie sich nur anerkannt, wenn Sie mehr arbeiten als andere? In der Beratung können Sie den unbewussten Zielen auf die Spur kommen und sich entscheiden, ob Sie diese beibehalten oder verändern wollen.


Gemeinschaftsgefühl

Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Platz kommt aus der sozialen Natur des Menschen. Das Gemeinschaftsgefühl ist eine angelegte Fähigkeit, die es zu entwickeln gilt. Der Mensch ist auf andere Menschen angewiesen und kann einen eigenen Beitrag zur Gemeinschaft leisten. Je höher das Gemeinschaftsgefühl,  desto gleichwertiger ist ein Mensch und kann gesunde Beziehungen leben. Wenn das Gemeinschaftsgefühl gering ausgebildet ist, wird sich der Mensch mit Überkompensation – Macht, Überlegenheit, Rückzug – sein schwaches Selbstbewusstsein vermeintlich stärken wollen.

Private Logik

Aus seinem Umfeld und aus persönlichen Schlüssen von Erlebtem entwickelt jeder Mensch durch die in ihm wohnende schöpferische Kraft seine private Logik, das ihm eigene Lebensbewegungs-gesetz, seinen Lebensstil. Damit meint er, seine Sicherheit und seinen Wert sicherstellen zu können. Diese private Logik bestimmt die grundsätzliche Einstellung zum Leben und zur Umwelt, die Bewertungen und Beurteilungen, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen usw.

Fehlziele
Fühlt ein Mensch sich seiner privaten Logik gemäß nicht wertvoll oder zugehörig, strebt er
(Fehl-)Ziele an, um seinen Wert zu sichern. Diese sind beim erwachsenen Menschen:
1. Entschuldigung eigener Mängel
2. Überhöhte Aufmerksamkeit
3. Streben nach Macht, Geltung, (moralischer) Überlegenheit
4. Streben nach Rache und Vergeltung
je höher das angestrebte Fehlziel, desto tiefer der Minderwert.

Erziehung
Alfred Adler  schuf eine  Volkspsychologie, hielt Vorträge an Volkshochschulen. Seine Ideen sollten in Schulen und Familien mit Kindern angewendet werden. Einige Stichworte aus den Erziehungsgedanken Adlers; 

  • Ermutigung  ist eine wichtige Säule in der Erziehung,
    sie fördert einen gesunden Selbstwert. 

  • Kinder entwickeln Fehlziele, wenn sie entmutigt sind.
    Sie versuchen dann mit überhöhter Aufmerksamkeit oder Machtkämpfen zum Ziel zu kommen.

  • Verwöhnung dient dem Kind nicht. Wir lassen es dadurch
    Ansprüche an andere stellen. Damit verliert es den Mut, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben.

  • Kinder lernen viel aus den Konsequenzen, wenn
    ​wir ihnen diese zumuten.           

 

Leitlinien und Lebensstil
Das Kind erhält die Leitlinien für sein Handeln durch seine Familie, seine Umgebung. Durch Versuch und Irrtum, durch Aktion und Reaktion wird es das für sich gewinnbringendste Verhalten erlernen. So entwickelt jeder Mensch bis zu seinem 4.-6. Lebensjahr seinen eigenen Charakter, den eigenen Lebensstil. Dieser ist die Manifestation einer Grundüberzeugung, die für das weitere Leben (unbewusst) maßgebend ist.

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Menschenbild
Nach Alfred Adler sind alle Menschen gleichwertig. Der Mensch ist ein Entscheidung treffendes, zielgerichtetes und soziales Wesen, das zu Fehlentscheidungen neigt. Er ist nicht Opfer seiner Umstände, sondern Gestalter seines Lebens und verantwortlich für sein Handeln. Er trägt bekannte und unbewusste Ressourcen in sich. Auch durch Beratung ist es möglich, Zugang zu den eigenen Ressourcen zu finden, sein Leben damit zu bereichern, indem das Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl gefördert wird.

 

Eigener Wille und Verantwortlichkeit
Weil der Mensch einen eigenen Willen hat, kann er selber entscheiden und eigene Schlüsse ziehen. Das bringt ihn auch in die Verantwortlichkeit für sein Handeln und sein Unterlassen, usw.

 

Diese IP-Grundsätze entsprechen dem biblischem Welt- und Menschenbild und sind deshalb Grundlage meines Beratungsansatzes.
Gleichzeitig werden damit die Art. 7 'Menschenwürde' und Art. 8 'Rechtsgleichheit' der Bundesverfassung beachtet.